von

Ich habe mich getäuscht. Und wie. Ich schäme mich sogar etwas, aber letztlich überwiegt die Freude. Ein Satz, den ich gelesen habe, war: Du kannst sie nicht alle retten. Und irgendwie brannte er sich in meinen Kopf. Ich kann sie nicht alle retten – also muss ich schauen, wen ich retten kann…

Gleich zwei Denkfehler. Denn erstens rette ich ohnehin niemanden, wenn überhaupt, dann tut dies Gott und zweitens habe ich gleichzeitig erwählt, wer errettenswert ist und wer nicht. Ich habe aussondiert und überlegt. Es gab genau eine Person, bei der ich dachte: Das macht überhaupt keinen Sinn, dem kann niemand mehr helfen.
Ich möchte ihn kurz beschreiben: Ein großer, eigentlich recht gut aussehender Mann, der seinen Tag schon früh dem Alkohol hingab. Wenn ich ihn gesehen habe, dann immer betrunken und oftmals schon am Vormittag ohne die Fähigkeit gerade aus zu laufen. Ich mag ihn, ich mochte ihn auch damals schon, aber ich hatte keine Hoffnung. Er hatte uns schon etliche Sitzgelegenheiten zerstört – nicht mutwillig, aber mangels der Fähigkeit sie zielgerichtet zu nutzen. Er wanderte hin und her zwischen Gefängnis, Krankenhaus und Rausch. Er konnte sich eigentlich fast nichts merken und machte auch nicht den Eindruck, als könne sich dies jemals ändern. Und dennoch suchte er nach Hilfe. Wir sprachen oft miteinander, wenn auch mit sehr vielen Wiederholungen gespickt. Viele Tränen flossen und es gab viele Umarmungen. Aber innerlich hatte ich keine Hoffnung.

Warum erzähle ich das alles?

Vielleicht kennst du das, dass dir ein Mensch als hoffnungslos erscheint, du den Kopf schüttelst, jemanden aufgibst. Vielleicht bist du schon zu oft enttäuscht worden, oder meinst es einfach aus der Erfahrung heraus zu wissen… So, genau so müsste eigentlich Gott über uns denken. Tut er aber nicht.
Denn in Christus ist Hoffnung – für jeden Menschen.

Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist’s unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich. -Matthäus 19,26
Eigentlich sind wir alle hoffnungslose Fälle vor Gott, aber er sieht weiter. Er hatte einen Plan – Jesus. Und durch Jesus herrscht wieder Hoffnung, denn er ist Hoffnung. Gott wendet sich also nicht von uns ab und gibt uns auf – so wie ich in dieser Situation, oder wie du es vielleicht auch kennst – sondern er sendet seinen Sohn in diese Welt, der uns wieder herstellen kann.
Ist es nicht wunderbar?
Ach ja, mein Beispiel ist mittlerweile seit Wochen trocken und lebt bei einem Christen zu Hause. Er ist auf dem Weg zurück in ein normales Leben – mit einem Unterschied zu vorher: Er lebt nun mit Christus im Herzen. Als er sich neulich verabschiedete machte er dies in meine Richtung mit dem Wort „Bruder“. Ich hatte es aufgrund meiner Erfahrungen nicht für möglich gehalten, aber Gott sind alle Dinge möglich – und dafür möchte ich ihn preisen.

Gebt nicht auf, sondern vertraut ganz auf ihn. Amen.

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