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Es gibt Lebenssituationen, in denen man verzweifeln könnte. Es gibt Defizite, die einen stören und es gibt welche, die einen fertig machen können.

Einem den Glauben rauben.

Ich möchte heute von einem beeindruckenden Mann erzählen, den ich in den letzten Wochen kennenlernen durfte. Ein sehr freundlicher, fröhlicher Mensch – zumindest nach außen hin. So habe ich ihn kennengelernt. Es fällt nicht immer leicht, sich mit ihm zu unterhalten – vor allem, wenn es dunkel wird. Nennen wir ihn Marc (Name geringfügig verändert ). .

Schon bei unserem ersten Treffen hatte mich sein Lächeln begeistert. Es wirkte echt. Seine Freude in keinster Weise aufgesetzt. Er lebte – intensiv.

Aber zurück zu den Gesprächen. Er achtet genau darauf, was ihm gesagt wird, versucht alles zu verstehen – und wenn das nicht geht, dann fragt er nach. Er ist sehr interessiert an den Worten seines Gegenübers. Einzig ein Problem taucht in jedem Gespräch wieder auf. Er kann nicht hören (zumindest noch nicht). Marc ist taub. Und dennoch lebt er und lobt seinen Gott. Als er das erste Mal bei uns beim Kältemobil dabei war, war ich nicht da, aber viele Menschen erzählten mir danach von ihm – und sie waren begeistert. Marc selbst habe ich letzten Sonntag einmal kurz in sich gekehrt gesehen – als es um seine Taubheit ging. Er wirkte kurz traurig und ein Stück weit frustriert. Aber dieser Zustand hielt nicht lange an. Ich bin mir sicher, dass es solche Episoden in seinem Leben schon öfter gegeben hat, aber ich denke er hat sich immer wieder berappelt – und seinen Glauben dabei nicht verloren!

Es war auch letzten Sonntag, als er mich zutiefst bewegt hatte. Wir feierten einen kleinen Gottesdienst auf der Straße. Ein Freund spielte Gitarre, eine Freundin Flöte und wir alle sangen mehr oder weniger gut… Doch es war Jonathan, der Freund mit der Gitarre, der Marc unbedingt am Cajon dabei haben wollte. Ein tauber Mensch soll „trommeln“? Das war verrückt. Doch Marc wollte es. Er erzählte sogar, dass er gerne Schlagzeug spielen würde. Eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst saßen die beiden da und Jonathan erklärte ihm (er liest von den Lippen), wie das Cajon funktioniert.

Marc passte aufmerksam auf und setzte die ersten Schläge vorsichtig um. Nicht nur, dass er die Melodien der Lieder nicht kennt, er hört ja auch nicht, wie stark er auf das Cajon schlagen muss, um die richtige Lautstärke zu treffen. Es war ein Ding der Unmöglichkeit! Und dennoch wollte er es versuchen.

Und er tat es.

Die ersten Anläufe klangen noch leicht defizitär, doch nach wenigen Minuten hatte er das richtige Gefühl raus. Ohne zu hören. Er musste sich ganz auf sein Gefühl verlassen. Ein Gefühl für die Musik, die er nicht hören konnte.

Und er tat es.

Es hörte sich immer besser an. Er spielte richtig mit. Nach einer kurzen Zeit schaute er seine Mitspieler fragend an und sie bestätigten ihm, dass es gut war. Er sprang vom Cajon auf, ballte die Faust und schrie seine Freude in den Himmel. Seine Dankbarkeit zu Gott. Es war ein sehr bewegender Moment für alle Beteiligten.

Eigentlich wünschen wir uns, dass unsere Last genommen, unsere Defizite geheilt werden, aber manchmal, so empfinde ich es, ist es ein größeres Wunder, eine Situation zum Guten zu nutzen, zum Zeugnis für unseren Glauben, als eine Wunderheilung. Seine Schwachheit zu erkennen, bekennen und Gott hinzulegen. Ein Defizit zwar loswerden wollen, aber das Beste aus ihr machen.

Der Apostel Paulus flehte Gott an, den Stachel des Feindes zu entfernen, mehrfach. Und was antwortete Gott? In 1.Korinther 12,9 steht:

Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Ich empfinde es als ein mächtiges Wirken, Gott loben zu können in unserer Schwachheit und trotz der Stachel, die tief in unserem Fleisch sitzen.

Ich sehe in Marc einen starken Glauben – einen starken Gott. Ein Vorbild in Treue und Hingabe.

Und ich bete, hoffe und glaube, dass er dennoch eines Tages hören wird. Zu Gottes Zeit. So lange aber bleibt er ein Wunder… Wenn wir in Leid auf Christus schauen und uns dennoch an ihm erfreuen können.

Auch das bedeutet Nachfolge für mich! Aus seiner Gnade immer wieder neu ein Wunder zu sein, wo man zunächst keines sehen kann…

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