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Nach dem zähen Start mit drei Besuchern bei unserem ersten Auftritt mit dem Kältemobil konnten wir bei unseren letzten beiden Speisungen einen deutlichen Zulauf an Gästen verzeichnen.

Wir waren am Dienstag unterwegs und hatten 12 Gäste, denen wir insgesamt ungefähr 40 Maultaschen anbieten konnten. Darüber hinaus konnten wir ca. 3,5 Liter Kaffee und jede Menge Äpfel und Mandarinen verteilen. Morgens waren wir in der Stadt unterwegs und konnten so noch einmal Werbung machen. Am Abend selbst hatten wir dann einen Gast, der stark alkoholisiert war und so auch immer wieder begann zu schimpfen. Er wurde von mehreren Seiten zur Ruhe ermahnt, ließ sich aber kaum herunter holen. Erstaunlicherweise konnte ich auf ihn zugehen und legte ihm während einer Schimpftirade meinen Arm um die Schulter, was ihn dazu veranlasste, mich ein wenig zu beschimpfen. Ich fragte ihn, wie er in den Erfrierungsschutz kommen würde. Er entgegnete mir, dass das doch „scheiß egal“ sei… So sehen sich manche Menschen also… sie sind „scheiß egal“. Damit konnte ich mich nicht anfreunden, so dass ich ihm mitteilte, dass es mir nicht egal sei. Und tatsächlich veränderte sich in diesem Moment der Gemütszustand des Gastes, so dass er mich fragend anschaute, mich in den Arm nahm und meinen Hals küsste.

Dieser Moment hat mich intensiv bewegt, da eine einfache Aussage der Zuneigung in diesem Moment sehr viel bewegen konnte. Es ist tragisch, dass eine solch selbstverständliche Ansage, dass ein Mensch nicht egal ist, nicht selbstverständlich ist. Vielleicht sollten wir beginnen, unseren Mitmenschen wieder öfter zu sagen, wie wertvoll sie sind. Zumindest ist das eine der Kernaussagen des Kreuzestodes Jesu. Wie lange er diese Worte wohl nicht mehr gehört hatte…?

Ein ganz spezieller Dank für den vergangenen Dienstag geht an Yvonne, die trotz Schwangerschaft den ganzen Abend Essen und Trinken verteilt hat – danke für deine Liebe und Hingabe für unsere Arbeit.

Nun hatten wir zuerst drei, dann zwölf Gäste, doch wie geht es weiter?

Ganz einfach – am Samstag waren 15 Menschen zu Besuch und ließen sich mit einer besonderen Speise verwöhnen. Es gab Schweinefilet mit überbackenen Tomaten und Kartoffelpüree. Außerdem hatten wir Donuts im Angebot, die wir von der Heilbronner Tafel gespendet bekamen. Die Gäste waren vom Essen begeistert und zum ersten Mal ging unser Essen am Ende des Abends sogar aus – alles aufgegessen. Ähnlich erging es uns mit dem Kaffee. Wir hatten etwas weniger gekocht als die beiden Male zuvor, da wir nichts wegschütten wollten – und prompt ging er im Laufe des Abends aus. Zum Ende unserer Einsätze verteilen wir nun auch immer noch Carepakete für die Nacht, die Obst und Schokolade beinhalten. Unsere Ausgabe an Lebensmitteln und Getränken ist bereits nach einer knappen Woche bereits um das drei- bis vierfache angestiegen. Dafür sind wir sehr dankbar, auch weil unsere Gäste selbst Werbung für unser Kältemobil machen!

Bis heute konnten wir bei unseren Einsätzen sieben Survival Kits, Nachfüllmaterial und einen Schlafsack, sowie eine Winterjacke verteilen. Gestern außerdem noch eine Mütze. In diesem Zuge noch der kurze Aufruf, dass wir noch einiges an Winter-/Thermounterwäsche und Wollsocken/ -mützen brauchen können.

Am gestrigen Samstag war ich selbst etwas angeschlagen und wirHelfer waren nur zu dritt, was die Kommunikation mit den Kunden etwas erschwerte. Hinzu kam der Sturz eines neuen Freundes, dessen Blutzuckerwerte unter Alkoholeinfluss entgleist waren. Auf diese Weise hatten wir unseren ersten Kontakt zu Rettungswagen und Polizei. Leider schien der Rettungsdienst ob vieler Einsätze überfordert, so dass es eine ganze Zeit dauerte, bis Hilfe vor Ort war. Die Versorgung lief dann allerdings reibungslos ab. Toll fand ich, dass alle Gäste vor Ort blieben, bis ihr Freund abtransportiert wurde – obwohl sie dadurch möglicherweise ihren Platz im Erfrierungsschutz riskierten, da dieser begrenzt ist. Ich finde, von diesem Zusammenhalt könnten sich viele Menschen eine Scheibe abschneiden!

Eine Begegnung von Samstag möchte ich noch kurz symbolisch kundtun: Angesprochen auf unsere Arbeit erzählte ich einem muslimischstämmigen Gast, wie ich von Alkohol und Drogen wegkam, woraufhin er meinte, dass er dies auch wolle und mich fragte, wie das geht. Wir konnten uns ein wenig über den Glauben unterhalten und schließlich durfte ich für ihn beten, was er mit einer sehr innigen Umarmung quittierte. Er meinte, dass es bei ihm vieler Gebete bedarf, was ich lächelnd mit einem: „Kein Problem, jederzeit!“ quittieren konnte. Er lächelte und freute sich sichtlich und aufrichtig über die Zusage.

Ich werde künftig nicht zu jedem Einsatz einen Artikel schreiben, hielt es aber in diesem Fall für wertvoll, einen Teil der Erfahrungen zu teilen, um so einen Ausschnitt aus unserer Arbeit öffentlich sichtbar zu machen.

Allen Lesern eine gesegnete neue Woche!

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